Die Frühjahrsweide ist für Wiederkäuer eine sensible Phase. Ein allmählicher Übergang trägt dazu bei, die Pansenfunktion, die Tiergesundheit und die effiziente Nutzung des Grases zu gewährleisten.
Eine wichtige Phase im Fütterungszyklus von Wiederkäuern
Der Frühlingsbeginn bedeutet eine große Veränderung in der Fütterung von Wiederkäuern. Nach mehreren Monaten mit Winterrationen im Stall führt der Weidezugang zu einer raschen Veränderung sowohl der Umgebung als auch der Nährstoffversorgung. Dieser Übergang stellt für das Tier eine Phase physiologischen Stresses dar, in der die Pansenfunktion stark beansprucht wird.
Junges Frühlingsgras zeichnet sich durch einen hohen Wassergehalt, einen erhöhten Gehalt an löslichen Zuckern und schnell fermentierbarem Stickstoff aus. Diese Zusammensetzung beschleunigt die Verdauung und kann zu Störungen wie Durchfall oder verminderter Futteraufnahme führen. Außerdem verändert sie den Mineralstoffhaushalt, insbesondere durch ein niedrigeres Magnesium-Kalium-Verhältnis, was die Aufnahme bestimmter essenzieller Spurenelemente einschränken kann.
Überschüssiger löslicher Stickstoff als Faktor für ein Ungleichgewicht im Pansen
Zu Beginn der Weidezeit kann der Gehalt an löslichem Stickstoff im Gras deutlich höher sein als in reiferem Futter. Diese große Menge an schnell verfügbarem Stickstoff stört das mikrobielle Gleichgewicht im Pansen und fördert die Ammoniakproduktion.
Wenn dieser Ammoniak von den Mikroorganismen im Pansen nicht effizient verwertet wird, reichert er sich an und muss von der Leber in Harnstoff umgewandelt werden, was für das Tier mit einem hohen Energieaufwand verbunden ist. Diese Ungleichgewichte können zu einer Überlastung der Leber, erhöhten Stickstoffverlusten und negativen Auswirkungen auf den Gesamtzustand des Tieres führen. Zu den beobachteten Folgen zählen Fortpflanzungsstörungen, höhere Harnstoffwerte in der Milch, eine erhöhte Anfälligkeit für Mastitis und eine Verschlechterung des Körperzustands.
Grundlagen für eine schrittweise Weidehaltung schaffen
Der Erfolg der Umstellung auf Weidehaltung hängt weitgehend von einer konsequenten Weidebewirtschaftung ab. Die Weide sollte ausreichend entwickelt sein, eine angemessene Grasnarbe aufweisen, eine gute Tragfähigkeit des Bodens haben und der Weidedruck sollte kontrolliert werden, um Überweidung und übermäßige Aufnahme von sehr jungem Gras zu vermeiden.
Auf Herdenebene ist eine schrittweise Umstellung der Ernährung unerlässlich. Ein schrittweiser Zugang zur Weide, der zunächst auf wenige Stunden pro Tag beschränkt ist, ermöglicht es dem Pansen, sich an neue fermentierbare Substrate anzupassen. Die Aufrechterhaltung einer effektiven Faserzufuhr durch Heu oder Stroh ad libitum trägt zur Stabilisierung des Pansen-pH-Werts und zur Sicherung der Futteraufnahme bei.
Unterstützung der Anpassung der Pansenmikroflora
Der Weidezugang verändert die mikrobielle Aktivität im Pansen grundlegend. Um die Verwertung von Grasprotein zu optimieren, ist es unerlässlich, eine gute Synchronisation zwischen verfügbarem Stickstoff und fermentierbarer Energie zu fördern. Eine ausgewogene Pansenmikroflora trägt dazu bei, Ammoniakspitzen zu begrenzen, die mikrobielle Proteinsynthese zu verbessern und die Futterverwertung zu unterstützen.
Diese schrittweise Anpassung der Mikroflora bestimmt die Fähigkeit des Tieres, den Nährstoffreichtum der Frühlingsweiden voll auszuschöpfen und gleichzeitig das Risiko von Verdauungs- oder Stoffwechselstörungen zu begrenzen.
Sicherung des Mineralstoff- und Stoffwechsels
Die Frühjahrsweide stellt hohe Anforderungen an den Stoffwechsel, das Immunsystem und die Fortpflanzungsfunktionen von Wiederkäuern. Junges Gras ist zwar reich an Nährstoffen, kann jedoch ein Ungleichgewicht an Mineralien und Spurenelementen aufweisen. Eine besonders sorgfältige Versorgung mit Magnesium, Phosphor und Mikronährstoffen trägt dazu bei, das Risiko einer Hypomagnesiämie zu verringern, die Enzymaktivität zu unterstützen und die Produktion bzw. das Wachstum zu steigern.
Ein ausgewogener Mineralstoffhaushalt trägt außerdem dazu bei, die Fruchtbarkeit, die Infektionsresistenz und eine stabile Leistungsfähigkeit zu Beginn der Saison aufrechtzuerhalten.
Nachhaltige Steigerung des Potenzials von Frühjahrsweiden
Ein gut organisierter Übergang zur Frühjahrsweide ermöglicht es, eine optimale Grasverwertung, Tierschutz und tierzüchterische Leistung miteinander zu verbinden. Durch die vorausschauende Planung von Futterumstellungen, die Vorbereitung des Pansens und die Unterstützung der schrittweisen Anpassung der Tiere sichern Landwirte den Saisonstart und legen den Grundstein für eine nachhaltige Herdenleistung während des gesamten Jahres.